Kino, Oper oder Theater

Kleidung und Styling werden je nach Anlass und Umfeld sehr unterschiedlich sein, eine Opern- und Theaterpremiere erfordert anderes Outfit als ein Besuch des Musicals „Cats“ oder des Kinos um die Ecke. Im Zweifelsfall ist immer eine etwas schlichtere Kleidung zu bevorzugen. Denn wer durch zu festliche Kleidung aus dem Rahmen fällt, „overdressed“ ist, wird sich mit Sicherheit unwohl fühlen.

Doch ungeachtet dieser Unterschiede, überall wo viele Menschen in Reihen dicht beieinander sitzen, wirken sich bestimmte Verhaltensformen einzelner höchst störend für die Allgemeinheit aus. Das beginnt meist damit, dass die Besucher der mittleren Plätze zuletzt, wenn nicht gar zu spät kommen, und sich dann, womöglich noch mit dem Rücken zu den Sitzenden, durch die vollbesetzten Reihen drängeln. Selbstverständlich ohne ein Wort der Entschuldigung oder einen freundlichen Gruß. Also: rechtzeitig erscheinen, Zeit für Stau bei der Anfahrt, Parkplatzsuche, Garderobenabgabe einplanen und wenn man durch die Reihe muss, mit dem Gesicht zu den Sitzenden (Aufstehenden = „Dankeschön“) gehen.

Wenn jemand im Theater oder im Kino einmal kräftig niesen muss, sollten wir ihm ersparen, das mit dem traditionellen „Gesundheit“ oder „Zum Wohle“ zu kommentieren. Es ist heut absolut o.k. und ja auch sinnvoll, schweigend darüber hinwegzugehen – schließlich werden andere „Körpergeräusche“ auch nicht mit guten Wünschen versehen. Wer aber z. B. ein Gespräch durch ein kräftiges Niesen unterbricht, sollte sich seinerseits nach dem englischen Vorbild dafür entschuldigen.

Beifallskundgebungen im Kino sind hierzulande, außer bei Premieren, wo meist der Regisseur und andere Mitwirkende anwesend sind, nicht an der Tagesordnung. Bei Live Veranstaltungen wie Konzerten, Opern oder Theateraufführungen aber ist es gang und gäbe, den Künstlern durch entsprechenden Applaus Anerkennung zu zollen. Noch heute wird der Erfolg eines Theaterstückes nicht zuletzt an der Zahl der Vorhänge, der eines Konzertes an den vom Publikum „erzwungenen“ Zugaben gemessen. Frenetisch applaudieren sollte allerdings nur, wem die Darbietung wirklich gefallen hat. In der Oper und im Theater ist auch Szenenapplaus angebracht, nach bestimmten Arien oder Monologen wird er oft geradezu erwartet. Wer jedoch in einem Konzert zwischen den Sätzen Beifall spendet, gilt als musikalischer Banause. Hier wird erst nach dem letzten Satz der Sinfonie oder des Solokonzertes geklatscht. Bei Kirchenkonzerten ist Applaus generell unüblich.

Unmut und Missfallen wurde in der Oper und im Theater seit Jahrhunderten durch Zischen oder Buh-Rufe kundgetan. So manches Stück ist an solchen öffentlichen Missfallenskundgebungen gescheitert und bereits bei der Premiere durchgefallen. Und auch wenn heute die großen Theaterskandale selten geworden sind, immer noch bestimmt „König Publikum“ weitgehend über das Schicksal einer Aufführung oder Inszenierung. Ob man sich heute an öffentlicher Kritik dieser Art beteiligt, bleibt jedem selbst überlassen. Doch sollten wir eine gewisse Fairness gegenüber den Künstlern wahren, die auf der Bühne schließlich ihr Bestes zu geben versuchen. Wer um der “Randale” Willen protestiert, disqualifiziert sich selber (das gilt natürlich auch und gerade für Sportveranstaltungen!).

Pfiffe übrigens, unter anderem bei Popkonzerten inzwischen zur Beifallsäußerung avanciert, passen nicht unbedingt in das Theater oder den Konzertsaal.

schließen schließen