Grüßen und Begrüßen

Grüßen
Man grüßt sich beim Begegnen und meist ohne Handschlag. Damit macht man auch auf sich aufmerksam, was zur Folge haben sollte, dass der Gruß erwidert wird, man also beachtet wird.

Wer grüßt wen zuerst? Während wir früher gelernt haben, dass der Jüngere den Älteren, der Herr die Dame, der „Untergebene“ den „Vorgesetzten“ zuerst grüßt, gilt heute: Wer den anderen zuerst sieht, der grüßt auch zuerst. Das Grüßen erfolgt stets auf Entfernung durch leichtes Nicken mit dem Kopf bei direktem Blickkontakt und sollte mit einem Lächeln verbunden sein. Wer Hut trägt – das ist ja zurzeit auch bei den Jugendlichen voll im Trend – kann diesen formvollendet anheben. Das gilt natürlich nur für die Männerwelt; Frauen und Mädchen behalten den Hut beim Grüßen grundsätzlich auf. Heute nimmt es jedoch kein Mensch mehr übel, wenn auch der Mann den Hut nicht „lüftet“. Vor allem, wenn diese Aktion mit größeren Umständen verbunden ist – am rechten Arm ein Mädchen, in der linken Hand einen Koffer oder Regenschirm. (Mützen übrigens bleiben beim Grüßen immer auf dem Kopf.) Mützen, Hüte und andere Kopfbedeckungen nehmen Herren beim betreten eines Raumes ab.

Beim betreten eines Raumes, eines Fahrstuhls oder eines Abteils grüßt der Eintretende immer zuerst. Ob der Gruß in einem überfüllten Fahrstuhl oder einem großen S-Bahn-Waggon jedoch immer angebracht ist, sei dahingestellt.

Begrüßen
Bei einer Begrüßung werden immer auch ein paar Worte gewechselt. Man führt ein kurzes Gespräch, macht „Smalltalk“, zum Beispiel, um die Begleitpersonen miteinander bekannt zu machen oder auch, um ganz allgemein einen guten Tag zu wünschen. Verbunden ist eine Begrüßung hierzulande oft mit einem mehr oder weniger geschickten Händeschütteln.

Aber wenn Händeschütteln, wer gibt dann wem zuerst die Hand? Generell gilt, dass der deutlich Ältere dem Jüngeren, die Dame dem Herren die Hand anbietet. Doch gehen wir heute auch dieser Frage mit weniger Stress an. Es ist absolut keine Blamage, wenn jemand die Hand gibt, obwohl er der Jüngere ist; es ist aber ausgesprochen unhöflich, wenn der Ältere dann diese Geste übersieht und nicht auch die Hand zum Gruße reicht. (Nebenbei bemerkt, auch das Abstreifen der Handschuhe bei der Begrüßung ist heutzutage kein absolutes „Muss“ mehr.) Gegenüber der älteren Generation ist jedoch eine gewisse Vorsicht angebracht: So ein kleiner Fauxpas könnte zu einem Hemmnis für die berufliche Karriere werden. Ein Händedruck sollte immer ein wenig „Biss“ haben, muss – wie gute Spagetti – „al dente“ sein. Eine kraftlose Hand zeugt von unsicherem Charakter und ist ebenso abstoßend wie ein schmerzvoller Händedruck, der nicht selten noch nach Tagen die Erinnerung an den „Täter“ unliebsam wach hält.

Bei der Begrüßung wie auch beim Vorstellen stehen die Herren immer auf, von sehr alten Herren wird das natürlich nicht verlangt. Ebenso wenig ist es nötig, wenn Verletzungen oder Behinderungen das Aufstehen erschweren. Auch eine Frau kann heute zur Begrüßung anderer aufstehen – Männer eingeschlossen, – wenn sie es möchte. Im Berufsleben ist das bereits selbstverständlich geworden. Entgegen der alten Regel „Eine Dame bleibt immer sitzen“ entscheidet heute jede Frau auch im privaten Bereich selbst, ob und wann sie sich erheben und sich somit auf die gleiche Ebene mit dem oder der zu Begrüßenden begeben möchte. Aber Vorsicht, nicht jeder „ältere Herr“ freut sich darüber, von einer jungen Dame durch respektvolles Verhalten an sein Alter erinnert zu werden!

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